Historisches Bauernhaus
Umbau eines alten Brandenburger Hofs

Publikumsstarke Zeitschriften wie „Landlust“ zeigen es: Die Sehnsucht der Städter nach dem idyllischen Landleben ist groß. Im brandenburgischen Umland von Berlin bieten zahlreiche leerstehende Bauernhöfe die Möglichkeit, diesen Traum zu verwirklichen.

Bei unserem Objekt handelt es sich um einen Vierseiten-Bauernhof in Nordwest-Brandenburg, der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Gebäude dient seit jeher als Wohnhaus, die übrigen drei Gebäude waren einst Ställe und Scheunen. Mit der Front steht das alte Bauernhaus an der Hauptstraße des Dorfes, nach hinten richtet sich der Blick auf die übrigen Teile des alten, bewachsenen Bauerngehöfts mit Stalltüren und typischen roten Klinkern.

Das Bauernhaus wurde ursprünglich mit – aus heutiger Sicht – hochwertigen ökologischen Materialien errichtet. In den letzten Jahrzehnten hatten Vorbesitzer jedoch versucht, „mehr Komfort“ in das alte Gebäude zu bringen. Das authentische Flair ging dabei verloren, so dass sich das Haus im Sommer 2012 in einem erbarmungswürdigen Zustand befand…

Ziel war es, dem Hauptgebäude seinen ursprünglichen Charakter wiederzugeben und gleichzeitig einen ländlichen Ruhepol zu schaffen, als Kontrast zum hektischen Berliner Großstadtleben. Dazu galt es, Einrichtung und Stil wieder in Einklang mit der Architektur zu bringen. Die Stimmung der Räume sollte schlicht sein und miteinander harmonieren, im Einklang mit der ruhigen Umgebung. Aus der einst engen Küche sollte ein großzügiger Raum entstehen, ein Zentrum der Kommunikation, ein wärmender Lebensmittelpunkt. Eine weitere Herausforderung war es, trotz des hohen Anspruchs mit begrenztem Budget auszukommen. Als Königsweg erwies sich dabei die Verwendung und Aufarbeitung alter Materialien, die wir vor Ort fanden, in Kombination mit neuen naturnahen Farben und Materialien. Nicht zuletzt ist das Objekt daher beispielhaft für eine nachhaltige Restauration.

Die komplette Umgestaltung von der Idee bis zur Fertigstellung lag in unserer Hand. Angesichts der verbauten Ausgangssituation fingen wir praktisch bei Null an. Wir entkernten den halben Innenbereich, hinter Trockenbauwänden kamen dabei jahrhundertealte Holzbalken zum Vorschein. Eine massive Dielung war unter zwei nachträglich aufgebauten Fußböden verborgen. Alle originalen Holzbalken wurden aufgearbeitet und gebürstet, die alte Dielung mehrfach geschliffen und lackiert, so dass der natürliche Charakter des Materials zur Geltung kam. Die alte Treppe mit ihrem Geländer aus Buchenholz wurde geschliffen und mit weißer Kalkfarbe gestrichen.

Im Erdgeschoss sorgten wir für guten Lichteinfall und damit für eine offene und helle Atmosphäre. Um einen optischen Übergang zu den übrigen, rot geklinkerten Gehöftteilen zu schaffen, legten wir in der nun großzügigen Küche einen Teil des alten Mauerwerkes frei. An anderer Stelle setzt ein freigelegter halbrunder Sturz einen Akzent. Außerdem wurden die Türen zum Bad und zur Vorratskammer mit altem Holz im Stil der Stalltüren nachgebaut. Die Decken, die ursprünglich mit einem Stroh-Lehm-Gemisch gedämmt waren, verkleideten wir mit Schilfrohr. Den sauberen Abschluss bildet hier eine schlichte halbrunde Profilleiste, deren Pendant sich im Übergang von der Wand zum Fußboden wiederfindet. Um den ländlichen Charakter zu akzentuieren, wurde der Putz inkl. Farben mit einer breiten Bürste angebracht; eine Technik, die Unebenheiten verbirgt und den Raum gleichzeitig wärmer wirken lässt.

Durch die Schilfrohrdecken und die dunklen Holztöne verlangte das Haus geradezu nach hellen diskreten Naturtönen. Die Wände sind daher in weiß und mittleren Töne gestrichen.
Für Farbtupfer verwendeten wir kräftige Tapeten mit großen Motiven. Alte Türbeschläge und Klinker fanden im Haus ebenso ihren Platz wie Möbelstücke und Dekorationen, die wir
auf dem Bauernhof gefunden hatten.